Die Kodály-Konzeption ist die Zusammenfassung
Kodály’s Ansichten über die
Musikerziehung, die von ihm schriftlich oder in seinen Anweisungen mündlich festgelegt wurden. Die ungarische Musikerziehung des 20-sten Jahrhunderts richtet sich nach dieser Konzeption. Synonym für die Kodály-Konzeption wird fälschlicherweise auch die Bezeichnung: die Kodály-Methode verwendet. Der berühmte Komponist hat aber seine Ansichten und praktischen Beispiele nie in einem einheitlichen und ausführlichen methodischen Werk festgehalten. Die Umsetzung seiner Ansichten in die Praxis und deren methodische Ausarbeitung haben auf seine Anhänger gewartet. Die Einführung der Konzeption in die Schulen ist überwiegend
Jenő Ádám zu verdanken.
Der Grundgedanke: Die Musik gehört uns allen

Die Kodály-Konzeption geht grundsätzlich davon aus, dass
die Musik eine Kunst ist und unentbehrlich für die menschliche Seele ist. Daraus folgt, dass die Musik jedem gehört, muß für jeden einzelnen zugänglich und verständlich gemacht werden und es soll in der Schule ermöglicht werden. Nach der Grundthese der Konzeption kann aus jedem einer werden, der Musik macht und versteht (ein richtiger Musikliebhaber) unabhängig von seinen musikalischen Fähigkeiten (musikalischem Gehör) und sozialer Zugehörigkeit. Kontakt zu der Musik können nur diejenigen knüpfen, bedeutende Musikwerke können nur diejenigen verstehen, die die Musik selber ausüben. Um das zu erreichen, versuchte Kodály die Theorie und Praxis der richtigen Musikerziehung auszuarbeiten.
Die Muttersprache der Musik, die Volksmusik
Kodály war der Meinung, dass die
Volksmusik die Rolle der
musikalischen Muttersprache erfüllt. Sie trägt die bedeutendsten Werte der Vergangenheit eines Volkes. Die Volksmusik ist ein ausgezeichnetes Grundmaterial für das Erlenen des
Notenschreibens und des
Notenlesens. Das Notenlesen und das Erkennen und Abschreiben der Melodien erfolgt mit Hilfe unserer eigenen Stimme. Nach dieser Konzeption hat der schulische Musikunterricht eine entscheidende Auswirkung auf das ganze Leben eines Menschen, ob er die Musik versteht und ob er das Musizieren erlernt. Ins Reich der Noten führt das
Singen. Das Chorsingen und das mehrstimmige Singen tragen erheblich dazu bei, ob jemand das reine Singen erlernen kann oder nicht. Kodály veröffentlicht 1937 das erste Heft seiner
Bicinia Hungarica Reihe, das seine eigenen Werke, Bicinia (zweistimmige Lieder), Volkslieder und Kompositionen auf Grund von Gedichten von ungarischen Dichtern beinhaltet. Das Heft wurde für Kinder für den Musikunterricht zusammengestellt. Das 2. und 3. Heft der
Bicinia Hungarica Reihe enthalten ungarische Volkslieder, die als Beispiele für das richtige Singen dienen, das 4. Heft enthält tscheremissische Volkslieder.
Der Schlüssel zum Singen
Die Kodály-Konzeption besagt, dass das musikalische Lesen und Schreiben durch die
relative Solmisation erlernbar sind. Das Wesentliche der relativen Somisation ist, dass die Stufe der „Do” Anfangstonsilbe frei zu wählen ist. Kodály hat John Spencer Curwen’s – Pastor aus Birmingham –
Tonika-Do-Methode als Grundlage genommen und auf die ungarische Solmisationsmethode übernommen. Für Übungszwecke vom Letzteren und der Pentatonik hat Kodály die Reihe seiner Fünftonmusik ausgegeben. Die Werke mit Solmisationssilben enthalten ungarische, tscheremissische und tschuvaschische Volkslieder.
Die Konzeption in den Schulen, die Musik in der Seele
Nach den pädagogischen Ansichten der Kodály-Konzeption wurden anfangs nur in den Elementarschulen für Musikerziehung, in den vom Komponisten gegründeten neuen Schultypen unterrichtet. Ein Teil des allgemeinen Schulunterrichtes wurden sie offiziell nach 1948, nach der Verstaatlichung der Schulen. In den heutigen Elementarschulen für Musikerziehung gibt es jeden Tag Musikunterricht. Studien beweisen, dass Schüler, die tagtäglich an Musikerziehung teilnehmen, in anderen Fächern besser sind, als ihre Altersgenossen. Es kann damit erklärt werden, dass
Singen das Gedächtnis, die Konzentrationsfähigkeit und die mathematischen Fähigkeiten entwickelt. Die Kodály-Konzeption erfreut auf der ganzen Welt ein großes Ansehen. Kodálys persönlichen Kontakten ist es zu verdanken, dass seine Konzeption auch im Ausland erfolgreich geworden ist. Da die Grundsätze allgemeingültig sind (z.B. das Lehren des musikalischen Schreibens und Lesens bei kleinen Kindern, die Aneignung der musikalischen Muttersprache), kann die Konzeption in anderen Ländern genauso verwendet werden.
Darüber hinaus hat sich die Kodály-Konzeption zum Ziel gesetzt, zur Ausbildung von denkenden, wertvollen Menschen beizusteuern.

Foto: pappani
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